Damit Sie einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch bekommen, können Sie hier ein Kapitel probe Lesen. Ich wünsche viel Spaß! Und wenn es Ihnen gefällt, können Sie es gleich hier bestellen.

Ricchi e Poveri

Das Jahr 1984 hatte gerade begonnen und ich hatte einen Vier-Tages-Umlauf auf meiner geliebten B 727. Ich fand, es war das idealste Flugzeug auf den Mittelstrecken in Europa und dem Nahen und Mittleren Osten. Dieser hauptsächlich in Deutschland stattfindende Umlauf, sollte uns aber auch nach Rom, Mailand und Ankara bringen. Das reine innerdeutsche „Gehopse“ war nie so richtig beliebt bei den Crews. Die Maschinen waren meist ziemlich voll, die Strecken und dadurch die Flugzeit sehr kurz. Aber das musste eben auch sein. Man freute sich dann stets, wenn an einem Tag dann eine längere Reise anstand. So auch am Sonntag den 08.01.1984. Wir kamen sehr früh aus Düsseldorf angereist und sollten dann von München aus nach Rom und wieder zurück nach München fliegen.

Der „Vogel“, wie wir unser Flugzeug intern auch liebevoll nannten, war aufgetankt, beladen, die Kabine gesäubert und wartete jetzt auf die Gäste, um sie sicher und bequem nach Rom zu bringen. In München lag noch Schnee auf dem Vorfeld und ein ungemütlicher Wind zog durch den Finger, durch den gleich die Passagiere einsteigen sollten. Unser Kapitän hatte uns kurz vorher das Wetter in Rom durchgesagt, so dass wir uns alle auf diesen Flug in den Süden freuten. Meistens, wenn es die Zeit erlaubt, fuhren einige der Crew mit dem Passagierbus in das Terminal und gönnten sich dort einen Espresso oder Cappuccino.

Dieser kurze Ausflug vermittelte einem ein echt mediterranes Gefühl. Aber so weit war es ja noch nicht. Plötzlich kam die V.I.P.-Betreuerin an Bord und meldete die Ankunft eines wichtigen Passagiers. „Ihr bekommt Kardinal Ratzinger auf eurem Flug.“ Wir konnten uns gerade mit der Situation vertraut machen, da fuhr schon eine Limousine an den  Flieger und Kardinal Ratzinger in Begleitung einer Nonne stieg aus und kam die Treppe hoch in unsere Kabine. Als wir die beiden auf ihre Plätze begleiteten, mutmaßten wir hinter deren Rücken, ob das wohl seine Köchin sei. Wir konnten uns in dieses Thema nicht vertiefen, da jetzt auch die „normalen Gäste“ zustiegen.

Eine Boeing vom Typ B727

Ich sah nur schwarz. Ein Drittel unsere Gäste bestand aus schwarzgekleideten Männern, die zum Gefolge von Kardinal Ratzinger gehörten. „Jetzt kann uns ja nichts passieren, bei solch einem Aufgebot himmlischer Macht“, lästerte ich mit meinen Kollegen. Wir mussten alle herzhaft lachen und waren gespannt wie dieser Flug verlaufen würde.

Plötzlich betrat eine Gruppe von drei Personen unser Flugzeug. Der Sprache nach waren es Italiener,  eine Frau und zwei Männer. Man merkte der Frau an, dass sie sichtlich unter Flugangst litt. Leider bin ich der italienischen Sprache nicht mächtig, aber mit Händen und Füßen und dem Charme dieser Dame bekam ich heraus, dass es sich um die italienische Popgruppe „Ricchi e poveri“ handelte. Die mir bis dahin nicht bekannt war. „Bleiben sie ruhig noch etwas bei mir in der Galley stehen und machen sie sich mit der Umgebung etwas vertraut.“ Die Dame war sichtlich erleichtert, dass sie nicht sofort auf ihren Sitz musste, um aufgeregt auf den Start zu warten. Ich begrüßte die weiterhin zusteigenden Gäste und merkte, dass dies meiner Italienerin sichtlich gut tat. Ich bot ihr ein Glas Champagner an und spürte wie die Anspannung nachließ. Sie redete wie ein Wasserfall und ich hatte das Gefühl sie doch zu verstehen.

Trotz der Sprachprobleme stimmte zwischen uns die Chemie und es war so als wären wir alte Freunde, die sich nach langer Zeit plötzlich im Flugzeug wieder trafen. Jetzt trat einer dieser Würdenträger an mich heran und fragte mich mit holprigem Deutsch, ob ich noch italienische Zeitungen hätte. „Leider nein, die liegen am Gate aus und hier an Bord haben wir keine.“ Er schien mit dieser Auskunft zufrieden zu sein. Bevor er jedoch auf seinen Platz zurückkehrte, fragte er mich, ob ich wüsste, wen wir an Bord hätten und schickte einen Blick gen Himmel, wohl in der  Hoffnung, dass mir die richtige Antwort einfiele. „Selbstverständlich“, erwiderte ich teuflisch, „Ricchi e poveri.“

Hintergrundinformationen

Ricchi e Poveri (ital. „Reiche und Arme“) ist eine dreiköpfige italienische Popgruppe, die 1968 in Genua gegründet wurde. Sie besteht aus Franco Gatti, Angela Brambati und Angelo Sotgiu.

Die Gruppe nahm am Eurovision Song Contest 1978 teil und belegte mit dem Titel Questo Amore Platz 12. In den 1980er Jahren war die Gruppe auch in Deutschland erfolgreich. Zu den bekannten Hits zählen unter anderem Sarà perché ti amo, Mamma Maria, Voulez vous danser, Che sarà , Made in Italy und Ciao Italy, ciao amore. Mit Se m’innamoro gewann die Gruppe 1985 das San-Remo-Festival.